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Grenfell-Tower: Die Dämmung war es nicht

18.10.2018

In London arbeitet seit einem Jahr die Kommission zur Aufklärung des Brandes am Grenfell Tower. Die „Deutsche Feuerwehrzeitung“ des Deutschen Feuerwehrverbandes veröffentlichte einen Artikel von Prof. Dr.-Ing. Michael Reick, der die vorläufigen Ergebnisse der noch laufenden ersten Untersuchungsphase zusammenfasst. Die Kommission analysierte Ursache und Verlauf des Brandes, wertete hierzu 400.000 Dokumente aus, befragte Experten und Feuerwehrleute und sichtete Fotos und Videos.

Das Ergebnis: An der Fassade des Grenfell Tower war kein Polystyrol, sondern Polyisocyanurat (PU) als Dämmstoff in 10-16 cm Dicke verbaut. Die Brandweiterleitung an der Fassade wurde an erster Stelle durch die ACP-Wetterschutzverkleidung aus Aluminium mit aussteifendem Polyethylenkern verursacht. Zum Brandbeitrag der Fassadenkomponenten schreibt die Deutschen Feuerwehrzeitung: „Es muss daher an dieser Stelle betont werden, dass die Wärmedämmung aus Polyisocyanurat gar nicht das ausschlaggebende Element war, sondern viel-mehr die ACP-Paneele.“ Zu dieser ACP-Wetterschutzverkleidung wird weiter ausgeführt: „Die Masse der Verkleidung war aufgrund der geringen Stärke der PE-Platten zwar gering und die Wärmefreisetzung ging größtenteils in die äußere Umgebung, aufgrund der hohen Abbrandgeschwindigkeit und der damit verbundenen hohen Wärmefreisetzung hat dies jedoch offensichtlich ausgereicht, dass bereits nach kurzer Zeit weitere Entstehungsbrände in den über der Brandwohnung gelegenen Wohnungen auftraten.“ Die enorme Geschwindigkeit der Brandweiterleitung erklärt sich auch aus den Zustrom von Verbrennungsluft über die Hinterlüftung der Wetterschutzverkleidung. Es brannte nicht nur das Polyethylen, sondern auch das Aluminium der Wetterschutzplatten. Der Londoner Einsatzleiter verglich das Brandgeschehen mit einem „Magnesiumbrand“. Die Geschwindigkeit des Feuers wird so eingeschätzt: „Der Brand hatte sich daher innerhalb von nur 36 Minuten von einem Entstehungsbrand in der Küche zu einem Brand entwickelt, der über die Fassade alle 19 darüber liegenden Wohnungen unmittelbar bedrohte.“ Für die letzten 10 Stockwerke nach oben bis zum 22. OG brauchten die Flammen nur sieben Minuten. Danach begann zwischen 1:12 bis 4:03 Uhr die Brandweiterleitung über die Wetterschutzplatten um das Gebäude herum.

Die Wetterschutzverkleidung brannte völlig ab, während die Wanddämmung in großen Teilen erhalten blieb, sogar die gelbe Farbe des verbauten Polyurethans war teilweise noch erkennbar. Gleichwohl entstand in den Tagen nach dem Brand das Gerücht, hier habe der Dämmstoff Polystyrol gebrannt, was sehr schnell zu einer Kampagne gegen Polystyrol an deutschen Gebäudefassaden ausgebaut wurde. Wissenschaftler hatten das bereits damals als unsachlich und falsch kritisiert, sie werden nun durch die Londoner Untersuchung bestätigt. Am Grenfell Tower bewirkten innere und äußere Faktoren sowie zahlreiche Brandschutzmängel in einem komplexen Zusammenspiel den dramatischen Brandverlauf. Gegenüber diesem Brandinferno brennt Polystyrol nur in der Breitenausdehnung des Primärbrandes stringent nach oben und nicht um das Gebäude herum. Fassadenbrände mit Polystyrol sind mit 0,02 Promille aller jährlichen Brände auch extrem selten, an deutschen Hochhäusern wird es ohnehin nicht verbaut. Alle deutschen Beteiligten sollten nun nach Wegen suchen, die in den Wochen nach dem Londoner Brand erfolgte Falschinformation der Öffentlichkeit zu korrigieren. Der Londoner Kommissionsbericht und der Hochhausbrand in Sao Paulo 1974, wo innerhalb einer halben Stunde ein ungedämmtes Hochhaus vom 12. bis zum 25. Stock in Brand stand, bieten hierfür genügend Daten.

(Quelle: www.energieinstitut-hessen.de)

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