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Verursacht Dämmung Schimmel?

27.02.2019

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und die Klimaschutzagentur Mannheim beantworten die wichtigsten Fragen

Ich will doch keinen Schimmel im Haus – so lautet die weit verbreitete Meinung unter Hausbesitzern zum Thema Dämmung. Timo Spagerer, Energieberater der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und der Klimaschutzagentur Mannheim, erklärt im Interview einige falsch verstandene Zusammenhänge rund um die Themen Schimmel, Raumklima und Wärmedämmung.

Fördert Wärmedämmung auf den Außenwänden die Schimmelbildung?
Ganz im Gegenteil: Eine Wärmedämmschicht, die von außen auf die Wände angebracht wird, führt dazu, dass die Oberfläche auf der Raumseite wärmer wird. Damit nimmt das Risiko, dass sich Feuchtigkeit niederschlägt, deutlich ab. Feuchte Stellen mit anschließender Schimmelbildung findet man bei schlecht gedämmten Altbauten meist auf den kältesten Stellen der Außenwände. Das sind oft die Wandecken, die Gebäudekanten, der Sockelbereich oder die Bereiche um die Fensteröffnungen. Über die so genannten Wärmebrücken fließt mehr Wärme nach draußen ab. Deshalb ist dort die Oberfläche auf der Innenseite besonders kalt. Kommt dann noch falsches Heizen und Lüften dazu, ist der Schaden vorprogrammiert. Eine Außenwanddämmung überdeckt diese Wärmebrücken, die innere Oberflächentemperatur steigt und Feuchtigkeit kann sich nicht mehr so schnell bilden.

Wie entsteht Schimmel in Wohnungen und Häusern?
Schimmelpilze benötigen zum Wachsen vor allem Feuchtigkeit – und an kalten Oberflächen treten häufig feuchte Stellen auf. Besonders anschaulich ist das zu sehen, wenn man eine kalte Flasche aus dem Kühlschrank nimmt und sich nach kurzer Zeit Wassertropfen auf der Oberfläche bilden. Die Fähigkeit der Luft Wasserdampf aufzunehmen, nimmt mit sinkender Temperatur deutlich ab. Übertragen auf die Außenwände von Häusern heißt das, dass kalte Oberflächentemperaturen vermieden werden sollten. Die Oberfläche einer gedämmten Wand ist innen deutlich wärmer als die einer nicht gedämmten Wand. Daher finden Schimmelpilze in gedämmten Häusern wesentlich seltener gute Wachs-tumsbedingungen vor.

Warum berichten viele Hausbesitzer und Mieter von Schimmel nach einer energetischen Sanierung des Hauses?
Oftmals ist Schimmelwachstum nach einer Dämmung auf mangelhafte Ausführung der Dämmung, besonders rund um die Fenster, zurück zu führen. Daher ist es wichtig, dass ein Fachbetrieb die Dämmung ausführt und darauf achtet, dass auch die Fensterlaibungen - trotz höheren Arbeitsaufwands - gedämmt werden. Ansonsten bleiben Wärmebrücken übrig, die sich stärker als vor der Dämmung auswirken können. Eine Wärmedämmung kann zudem nur optimal wirken, wenn das Gebäude wind- und luftdicht ist. Warme Raumluft soll nicht durch Ritzen und Fugen nach draußen entweichen. Mit einer energetischen Sanierung wird in der Regel der unkontrollierte Luftwechsel durch Undichtigkeiten im Dachbereich oder an Fensterfugen verringert. Daher muss der Nutzer umso mehr auf eine regelmäßige Frischluftzufuhr achten, um eine gute Luftqualität zu gewährleisten und Feuchteschäden zu vermeiden.

Wenn sich Hausbesitzer für eine Dämmung entscheiden, müssen sie dann etwas an ihrem Wohnverhalten ändern um Schimmel zu verhindern?
In gedämmten wie auch in nicht gedämmten Gebäuden muss ausreichend gelüftet werden, um die anfallende Feuchtigkeit abzutransportieren. Ich empfehle immer, die Feuchtigkeit der Raumluft mittels eines handelsüblichen Hygrometers zu beobachten und das Lüftungsverhalten entsprechend anzupassen. Das Temperaturempfinden der Nutzer ist bei gedämmten Gebäuden definitiv anders. Kalte Oberflächen haben einen negativen Einfluss auf die Behaglichkeit. Daher werden die Räume in Gebäuden mit schlechtem Wärmeschutz oft überheizt. Nach dem Aufbringen einer Wärmedämmung muss der Raum aufgrund der warmen Wandflächen nicht mehr so stark beheizt werden, um ein ausgegli-chenes und behagliches Raumklima für den Nutzer zu schaffen.

Was können Verbraucher tun, wenn der Schimmelschaden bereits da ist?
Ich empfehle Verbrauchern immer, vor einer professionellen Beseitigung den Schaden begutachten und vor allem die Ursache klären zu lassen. Anderenfalls ist die Gefahr hoch, dass der Schimmelpilz in kurzer Zeit wieder kommt.

Bei allen Fragen zur Wärmedämmung oder zum Erkennen und Vermeiden von Schimmelschäden hilft die Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: online, telefonisch oder mit einem persönlichen Beratungsgespräch. Termine können unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 809 802 400 oder direkt bei der Klimaschutzagentur Mannheim unter 0621 – 862 484 10 vereinbart werden. Die Berater informieren anbieterunabhängig und individuell. Für einkommensschwache Haushalte mit entsprechendem Nachweis sind die Beratungsangebote kostenfrei. Mehr Informationen gibt es auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de.

 

 

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